Le vin herbé von Frank Martin
Szenarisches Oratorium
Datum:
24.01., 26.01., 28.01. und 30.01.2009, 20:00Uhr
Ort:
Opéra de Lyon, Place de la comédie, BP 1219, 69203 Lyon cedex 01
Partner:
RuhrTriennale, Oper Lyon
Weltliches Oratorium von Frank Martin nach dem Roman „Tristan und Isolde“ von Joseph Bédier
Friedemann Layer | musikalische Leitung
Willy Decker | Inszenierung
Wolfgang Gussmann | Bühnenbild und Kostüm
Andreas Grüter | Licht
Sinéad Mulhern |Soprano, Isolde
Susanne Blattert | Mezzosoprano, Mutter von Isolde
Ursula Hesse von den Steinen |Mezzosoprano, Isolde mit den weißen Händen
Mark Adler | Tenor
Finnur Bjarnason |Tenor, Tristan
Michael Smallwood |Tenor, Kaherdin
Boris Grappe | Baß
Otto Katzameier | Baß, König Marc
Frank von Hove | Baß, Herzog Hoel
Mit den Musikern der Oper Lyon und des CNSMD Lyon.
Man kann es wohl nur als tollkühn bezeichnen, wenn ein Komponist
den Plan hegt, ausgerechnet den Tristan und Isolde-Stoff zu vertonen.
Wenn dieser Komponist den Plan – trotz Richard Wagner – auch noch in
die Tat umsetzt und mit dem Werk schließlich den internationalen
Durchbruch schafft, spricht das für die Individualität und Qualität des
Künstlers und seines Stils. Der Schweizer Frank Martin, Sohn eines
Genfer Pfarrers, war eine solche Persönlichkeit, die mit
leidenschaftlicher Beharrlichkeit seine Liebe zur Musik verfolgte, ohne
jemals ästhetische Grundsätze aufzugeben. Anfang der dreißiger Jahre
des vorigen Jahrhunderts setzte er sich mit der Zwölftontechnik Arnold
Schönbergs auseinander, um anschließend sein Tristan und
Isolde-Oratorium Le vin herbé zu komponieren – allerdings in tonaler
Setzung, „dem eigentlichen Fundament der Musik“.
Grundlage seiner 1941 beendeten Komposition bilden drei Kapitel aus
Le roman de Tristan et Iseut, dem 1900 erschienenen Hauptwerk des
französischen Schriftstellers Joseph Bédier (1864 – 1938). Martin
entschloss sich zu einer kammermusikalischen Behandlung des Stoffs und
kreierte die Partitur für ein siebenköpfiges Streicherensemble, für
einen Flügel und ein Gesangsensemble, aus dem immer wieder, gleichsam
halluzinatorisch, Figuren wie etwa Brangäne und Marke hervortreten –
und verschwinden. Die Sogkraft von Le vin herbé bildet denn auch die
schwebende Rauschhaftigkeit der Musik, einer Musik, die das Thema der
bedingungslosen Liebe auf ungewohnt lyrische Weise neu erzählt.
Le vin herbé, szenisches Oratorium von Frank Martin in der Regie von Willy Decker eröffnete die RuhrTriennale 2007.