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| «Sitzender Jüngling», 1916/17, ©Bernd Kirtz |
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Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), der bedeutendste Bildhauer der klassischen Moderne in Deutschland, erhielt die ihn prägenden Einflüsse auf seinen Reisen nach Paris ab 1907 und entfaltete sein Hauptwerk in den Jahren der Übersiedlung nach Paris ab 1910. Mit 40 Werken, davon 30 aus den Beständen der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, steht Lehmbruck im Mittelpunkt der Ausstellung, die insgesamt ca. 130 Exponate von 30 Künstlern umfasst. Lehmbruck ist zudem als einziger in der Ausstellung gezeigter Bildhauer nicht nur mit plastischen Arbeiten, sondern darüber hinaus mit Gemälden und Papierarbeiten vertreten. Die Ausstellung konfrontiert Lehmbruck mit seinen bedeutendsten Zeitgenossen, wie Archipenko, Brancusi, Duchamp-Villon, Gonzales, Matisse, Picasso sowie Rodin, Renoir und weiteren Künstlern.
Die introvertierte bis expressive Formgebung
der Werke Lehmbrucks erschwerte nach 1914 seine Rezeption durch ein breites
Publikum des in Frankreich (im Gegensatz zur Schweiz oder den USA) so gut wie
unbekannten Künstlers. Aber auch die mentalgeschichtlichen Folgen des Ersten
Weltkrieges, die von den Katastrophen des Zweiten Weltkrieges (s. den Begriff
des „Erbfeindes“) noch einmal verstärkt wurden, verhinderten die Rezeption
Lehmbrucks in Frankreich, das die Nennung deutscher Künstler nach dem Ersten
Weltkrieg vermied und später noch einmal problematisierte. In dieser Hinsicht
schließt diese Ausstellung erstmalig eine kulturelle Lücke um das Wissen von
Lehmbrucks Kunst in Frankreich. Sie kann zugleich als spätes Manifest einer
politischen Aussöhnung gesehen werden und zwar am Werk eines Künstlers, der die
frühesten Anti-Kriegs-Darstellungen der Moderne überhaupt schuf („Der
Gestürzte“ und der „Sitzende Jüngling“). Das Thema der Ausstellung, den
Übergang von der Vormoderne zur Moderne aufzuzeigen und diese zu definieren,
verbildlicht Lehmbruck in der
Gegenüberstellung mit den besten Bildhauern seiner Zeit.
Lehmbrucks Position in der Moderne erhält in dieser Ausstellung eine ihm gemäße
Plattform, und ein Desiderat, das überhaupt erst durch die Geschichte des 20.
Jahrhunderts entstehen konnte, wird somit geschlossen. Die Stiftung Wilhelm
Lehmbruck und die Erben Lehmbrucks (Lehmbruck Nachlass) werden als Leihgeber sicherstellen,
dass Wilhelm Lehmbruck mit seinem Hauptwerk vertreten sein wird.
Die Ausstellung geht nach Madrid!
Fundación Mapfre, Paseo de Recoletos 23, 28004
Madrid
Dauer der Ausstellung: 23.06. bis 04.10.2009