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ARTENTION

ChorWerk Ruhr „L’espace vivant“

Im Rahmen der Nuit Blanche


Datum: 04.10.2008, 21:00-23:Uhr
Ort: Orangerie von Schloss Versailles
Partner: Château de Versailles Spectacle
21h00 – Rupert Huber
„L’espace vivant“ für im Raum verteilte Sänger – Uraufführung

21h30 – Hildegard von Bingen
„De sancto Ruperto“ Sequenz für Frauenstimmen

22h00 – John Cage
„Four“ für Chor, Fassung 1
„4’33“ tacet in einer Fassung für Chor
„Four“ für Chor, Fassung 2

22h30Perotinus Magnus:
„Viderunt omnes“ für Männerstimmen und Orgel

23h00Morton Feldman:
„Rothko Chapel“ für Alt und Sopransolo, Chor, Viola, Celesta und Vibraphon


Der Abend beginnt mit einer Uraufführung. Rupert Huber eröffnet mit seiner Komposition „L’espace vivant“ für im Raum verteilte Sänger das ungewöhnliche Programm, das er für diesen Abend zusammen gestellt hat und dirigieren wird. Das besondere Interesse des 1953 in Österreich geborenen Komponisten und Dirigenten gilt der Wirkung von Musik, ihrer Fähigkeit, die Wahrnehmung zu verändern. Ästhetische und werkbezogene Kriterien wie Struktur und Tonsprache sind für ihn bloße Voraussetzungen, unter denen die Musik ihre Wirkung auf das Publikum und die Sänger selbst entfalten kann. Mit dieser Komposition will Rupert Huber zeigen, wie Sänger einen Raum beatmen und wie der Raum den Sängern Atem geben kann. In diesem Austausch entsteht ein atmender, zeitloser, ein lebendiger Raum: „L’espace vivant“.

Danach gibt es einen rasanten Zeitsprung rückwärts in das Jahr 1098, das Geburtsjahr von Hildegard von Bingen. Die Benediktinerin war eine der interessantesten Frauen des Mittelalters, berühmt nicht nur als Prophetin, Mystikerin, Philosophin und Ärztin, sondern auch als Musikerin. Ihr „De sancto Ruperto“ – eine Sequenz für Frauenstimmen wird in dieser Nacht vor den imposanten Bogenfenstern der Orangerie von Schloss Versailles ertönen.

Als nächstes steht John Cage auf dem Programm, einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Cage gilt als musikalischer Anarchist, der alle Hierarchien aufhebt. Jeder ist gleichgestellt, die Sänger sind im Raum verteilt. Dirigiert wird von einer Stoppuhr oder, wie an diesem Abend, von Monitoren mit Zeituhr. „Ich verstehe nicht, warum Leute Angst vor neuen Ideen haben. Ich habe Angst vor den alten.“, sagt John Cage. Wie seine „neuen Ideen“ aussehen, beweisen eindrucksvoll seine Kompositionen: „Four“ für Chor, Fassung 1; „4’33“ tacet in einer Fassung für Chor und „Four“ für Chor, Fassung 2.

Die musikhistorische Leistung des Franzosen Pérotin (Perotinus) Magnus liegt in der Weiterentwicklung von zweistimmigen Sätzen zu drei- und vierstimmigen. Durch das Hinzutreten einer dritten und vierten Stimme war die freie Rhythmik des gregorianischen Chorals nicht mehr anwendbar. Die einzelnen Stimmen mussten zur Ordnung des Gesamtablaufes fest rhythmisiert werden. Die Erweiterung des zweistimmigen Satzes auf drei und vier Stimmen markiert damit den ersten Höhepunkt in der Geschichte der europäischen Mehrstimmigkeit. Pérotin Magnus wirkte gegen Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Paris als Hauptmeister der so genannten „Notre-Dame-Schule“ und sorgte in der frühgotischen Kathedrale von Notre-Dame für eine akustische Sensation. Seine Komposition „Viderunt omnes“ für Männerstimmen und Orgel wird an diesem Abend zu hören sein.

Den Abend beendet Morton Feldman. Der Komponist wurde 1926 in New York geboren und gilt als einer der Pioniere der „graphischen Notation“. Erstmals wurde die Notenschrift ergänzt durch Symbole, Texte und teilweise auch Farben, um die Ausführung des Musikstückes präziser beschreiben zu können. Seine Komposition „Rothko Chapel“ – für Alt und Sopransolo, Chor, Viola, Celesta und Vibraphon wird den beeindruckenden Raum mit Klang füllen und kolorieren.
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